Testing mit dem Smartphone 2021

Testing mit dem Smartphone 2021

Das Smartphone ist ein fester Bestandteil des Lebens und es ist kaum vorstellbar, ohne Smartphone zu leben. Ja, da geht es vielen gleich. Und trotzdem wird das Testing mit dem Smartphone nach wie vor von vielen vernachlässigt. Warum das Testing mit dem Smartphone so wichtig ist, erfahrt ihr in diesem Blogartikel.

Anteil der mobilen Suchanfragen

Bereits 2017 wurd errechnet, dass 57 Prozent aller Suchanfragen von mobilen Endgeräten kommen (vgl. Brightedge Research). 2019 gab es einen Tweet von Greg Sterling, der zumindest behauptet, dass ein Google-Mitarbeiter den Wert 65 Prozent genannt hat (vgl. Greg Sterling auf Twitter). 

Die Zielgruppe ist entscheidend

Statistiken hin oder her: Es kommt auf die Branche und die Zielgruppe an, das steht fest. Durch meine Erfahrung aus meiner Agenturzeit kann ich bestätigen, dass es E-Commerce-Websites gibt, die zwischen 80 und 90 Prozent mobilen Traffic haben, ein Großteil davon aus der Quelle Organic Search. 

Entwicklung des mobilen Traffics eines E-Commerce Online-Shop
Entwicklung des mobilen Traffics eines Online-Shops*

Und selbst Websites mit sehr starker B2B-Zielgruppe in typischen Desktop-Märkten – das heißt, der typische B2B-Nutzer ist noch nicht auf Smartphone und Tablet umgestiegen, sondern nutzt noch klassisch den PC – haben einen Mobile-Anteil von bis zu 30 Prozent exklusive Tablet. Heißt: Nochmal fünf bis zehn Prozent. Macht summa summarum 40 Prozent Mobile-Traffic und 60 Prozent Desktop-Traffic.

Entwicklung des mobilen Traffics auf einer B2B-Website
Entwicklung des mobilen Traffics einer B2B-Website*

Es reicht also bei weitem nicht aus, seine Website ausschließlich für eine gute Desktop-Usability zu optimieren. Es ist daher auch unumgänglich, das Testing mit dem Smartphone durchzuführen.

Allerdings gibt es noch weitere Gründe, warum das Testing mit dem Smartphone wichtig ist:

Mobile-First-Indexing

Bereits seit einigen Jahren stellt Google sein Indexierverhalten auf Mobile First um. Mobile-First-Indexing heißt, dass zuerst die mobile Version einer Website gecrawlt und bewertet wird und erst dann die traditionelle Desktop-Version. In naher Zukunft sollen alle Websites komplett auf Mobile First umgestellt sein.

Wichtig: Mobile First heißt nicht Mobile Only! Natürlich haben auch Desktop-Versionen weiter ihre Berechtigung und würden für die Indexierung ausreichen. Angesichts der Strategie der Suchmaschinen, den Nutzern das beste Ergebnis liefern zu wollen, ist eine funktionierende und benutzerfreundliche mobile Website extrem wichtig, wie ihr anhand der Anteile, die sich sicher noch weiter verändern werden, sehen könnt.

Usability: Der Nutzer ist König

Für wen macht ihr denn eure Website? Für euch selbst? Kann sein. Dann können euch aber auch die Traffic-Quellen egal sein. Dann braucht ihr kein SEO. Wenn ihr sie für euch selbst macht, dann müsst ihr eure Website aber auch in aller Zukunft nur am Desktop anschauen.

Wenn eure Nutzer eure Website regelmäßig nutzen sollen, dann optimiert eure Website auch für eure Nutzer. Selbst wenn der mobile Traffic in eurer Zielgruppe nur 20 Prozent ausmacht: Es sind 2 von 10, 20 von 100, 200 von 1.000 Nutzer, die eure Website nicht oder nur eingeschränkt nutzen können. Unterschätzt diesen Anteil nicht! Wenn ihr 3.000 Euro im Monat verdient, würdet ihr auch nicht freiwillig auf 600 Euro im Monat verzichten und mit 2.400 Euro leben. Adaptiert das für euren Traffic und ggf. euren Online-Umsatz.

Die meisten Websites vor allem bei WordPress nutzen mittlerweile ein resposive Design. Das heißt, es gibt keine verschiedenen Website-Versionen (z. B. deine-domain.de und m.deine-domain.de), sondern eine Version, die sich automatisch an das Endgerät des Nutzers anpasst. Mittlerweile gibt es kaum mehr was anderes und auch kostenlose WordPress-Themes bieten das flächendeckend an. 

Testing mit dem Smartphone

Sobald ihr eure Website testen könnt, dann testet alle Geräte, aller Browser und alle Verbindungen durch. Nutzt Tools wie Google PageSpeed Insights und auch Google Test My Site, um Schwächen eurer Website zu identifizieren.

Aber verlasst euch nicht nur auf Tools! Natürlich könnt ihr im „Untersuchen“-Modus von Chrome (STRG+SHIFT+I) eure Website in allen möglichen Dimensionen anschauen. Ihr könnt zwischen verschiedenen Tablets und Smartphones wählen und seht die Website in den entsprechenden Größen. Aber: Hier werden nur die Bildschirmgrößen simuliert angepasst. Geräte- und Software-spezifische Dinge werden nicht berücksichtigt.

Tablet-Testing in Google Chrome
Simulation einer iPad Pro-Ansicht in Google Chrome

So verhalten sich iPhones durch die Retina-Nutzung häufig anders als die simulierten iPhone-Ansichten in den Entwicklertools der Browser. Nehmt euer Smartphone in die Hand und testet es direkt!

Smartphone-Testing in Google Chrome
Simulation einer iPhone X-Ansicht in Google Chrome

Eigenes Smartphone, Browser & Co.

Denkt auch immer an andere: Testet mindestens auf den zwei gängigen Smartphone-Betriebssystemen Android und iOS. Nutzt auch verschiedene Browser beim Testing mit dem Smartphone. Bedenkt auch ältere Geräte. Nur weil eure Website am neusten iPhone super funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass andere und ältere Geräte genauso reagieren. 

Google Chrome, Safari und Firefox sind weit verbreitet. Aber auch Edge und andere kann man mal testen. Vor allem die Standardbrowser der Smartphone-Anbieter sollte man nicht vergessen: Obwohl man Android benutzt, gibt es noch Hersteller-spezifische Browser. Meist heißen sie einfach nur „Internet“ oder ähnlich.

Denkt auch an die App-internen Browser von Facebook, Instagram, Twitter und Co. Mittlerweile öffnen viele Smartphone-Apps geteilte Links nicht mehr im eingestellten Standard-Browser, sondern im App-eigenen Overlay-Browser. 

Ganz wichtig ist auch die Verbindung: Geht auch mal aus dem WLAN raus, nutzt eine mobile Verbindung ggf. auch außerhalb von 4G und 5G. Jedem Nutzer soll überall ein einigermaßen vernünftiges Erlebnis geboten werden. Viele Nutzer surfen auf dem Arbeitsweg in öffentlichen Verkehrsmitteln. Funklöcher sind vor allem auf dem Land keine Seltenheit. Zwar geht dann gar nichts mehr, eine gut optimierte Website hat aber noch Vorteile.

Usability für jedermann testen

Eure Website passt nun endlich. Wirklich? Klickt alles durch! Vor allem Links, Menüs, wichtige CTA, Formulare usw. müssen funktionieren. Sie müssen klickbar sein mit jeder Fingergröße. Häufig sind Website-Elemente zu klein und man klickt alles auf einmal, nur nicht das, was man eigentlich wollte. Die Lust geht schnell verloren! Die Google Search Console kann euch dabei helfen, Problemstellen zu identifizieren.

Testing Nutzerfreundlichkeit Google Search Console
Nutzerfreundlichkeit auf Mobilgeräten in der Google Search Console

Bezieht das in euer Testing mit dem Smartphone unbedingt mit ein. Ein Mauscursor ist immer gleich groß und verhält sich auch immer gleich. Ein Finger verhält sich definitiv anders.

Fazit

Testing mit dem Smartphone ist extrem wichtig. Nehmt euch die Zeit und schätzt diese Zeit auch realistisch ein. In meinem Praxissemester bei einem großen Versicherungsunternehmen, in meiner Agenturzeit und in der jetzigen Konzernzeit ist eins klar: Testing ist wichtig und Testing kostet richtig Zeit!

Aber ihr braucht die Zeit: Wenn ihr Fehler und Funktionseinschränkungen überseht und live geht, geht euch unter Umständen wichtiger Traffic und wichtiger Umsatz verloren. Bis das Bugfixing konzipiert und umgesetzt wird, vergeht wertvolle, unwiederbringliche Zeit!

Und eins noch: Testet verdammt nochmal selbst! Nur was ihr selbst seht und akzeptiert, ist in Ordnung. Ihr müsst nachher damit leben.

Wie sieht ihr das Thema Testing und Testing mit dem Smartphone?

Wenn ihr weitere wertvolle Tipps und Tricks lesen wollt, schaut in meinem Digital und SEO Blog vorbei.

*Die gezeigten Daten sind Beispiele, die mir dankenswerterweise von einem Bekannten zur Verfügung gestellt wurden. Diese Daten sind keine Daten meines aktuellen oder meiner ehemaligen Arbeitgeber.

Jörg Niethammer

Seit 2003 aktiv am Websites bauen und pflegen, Abi, Bundeswehr, Studium und dann vollends ins Online Marketing. Vor allem SEO, Technical SEO und WordPress haben es mir angetan. Neben der Arbeit bin ich privat sehr gerne mit dem Fahrrad unterwegs, gehe gerne wandern und engagiere mich an der Fasnet.

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