Über kaum ein Thema habe ich in meiner Zeit als Kundenbetreuer im SEO mehr diskutiert: Sind SEO-Überschriften tatsächlich wichtig und rankingrelevant? Die Antwort lautet ganz klar ja. Aber man muss einige Dinge beachten, zudem gibt es Mythen, die so nicht stimmen und sogar von Google selbst dementiert wurden.

Was sind SEO-Überschriften?

Ich hasse ja die Kombination aus SEO und irgendeinem Wort. SEO-Texte ist für mich das Unwort des Jahrhunderts. So kann man es bei SEO-Überschriften auch sehen. Allerdings verwende ich den Ausdruck dennoch, damit gleich jeder weiß, um was es geht.

Mit den SEO-Überschriften meint man die Auszeichnung von H-Überschriften in einem HTML-Dokument. Bei Microsoft Word findet man auch Standardtext, Überschrift 1, Überschrift 2 usw. Wer schon mal eine wissenschaftliche Arbeit in Word verfasst hat, weiß, wovon ich spreche. Damit lassen sich z. B. ganz einfach automatische Inhaltsverzeichnisse mit Sprungmarken erstellen. Genau so muss man sich die H-Überschriften bei HTML vorstellen. Eine Seite sähe dann ungefähr so aus:

<h1>Das ist meine Überschrift</h1>
<p>Das ist mein Text</p>
<h2>Das ist meine Unterüberschrift</h2>
<p>Das ist mein Text</p>

Die Auszeichnung von SEO-Überschriften erfolgt mit dem Tag <hx>, wobei x für eine Zahl steht. Der Style von H-Überschriften ist meistens in der CSS-Datei hinterlegt. In den meisten fertigen Themes findet man die Auszeichnungen H1 bis H6.

Warum sind H-Überschriften so wichtig?

Der Suchmaschinencrawler durchsucht die Website, wie der Mensch, von oben nach unten. Die Überschriften geben dem Text eine Struktur. Neben dem Inhalt der Überschrift wird auch der darunterfolgende Text analysiert. Man kann die Überschriften also auch als eine Art Inhaltsverzeichnis der Website sehen. Und das gilt nicht nur für den Crawler, sondern auch für den natürlich Leser.

Was muss in den SEO-Überschriften stehen?

Hier sind wir am Punkt, warum ich den Begriff SEO-Überschriften nicht so mag. Bitte optimiert eure Überschriften niemals nur für die Suchmaschine. Alles was lesbar ist, sollte für Menschen erstellt sein. Es muss natürlich sein. Aber, und das kann man beachten, das Fokuskeywords der Seite sollte immer mal wieder in den Überschriften vorkommen. Was heißt das? Ganz einfach, macht eure Überschriften so, wie sie sinnvoll sind. Eine gute Faustregel ist immer, dass man den groben Textinhalt versteht, wenn man nur die Überschriften liest. Gleiches gilt übrigens auch für Fettungen.

Welche H-Überschriften sind am wichtigsten?

Natürlich ist die H1-Überschrift die wichtigste SEO-Überschrift. Sie ist der Titel der Seite. Hier sollte das Fokuskeyword auf jeden Fall sinnvoll eingebaut werden. Suchmaschinen werten in der Regel die Überschriften H1, H2 und H3, alles ab H4 hat für die Seitenstruktur keine Bedeutung mehr – für die Suchmaschine. Natürlich macht ihr nichts falsch, wenn ihr einen komplexen Text noch weiter untergliedert.

Hierarchie der SEO-Überschriften

Nicht unwichtig hingegen ist die Hierarchie der H-Überschriften: Beginnt immer mit der H1. Vor allem Designer bzw. Programmierer missbrauchen H-Überschriften gerne für gestalterische Maßnahmen. Wenn ihr z. B. im Header eure USPs hinterlegt habt, sind die ganz gerne als H-Überschrift definiert. Das ist sicher kein Weltuntergang, aber kann vermieden werden. Nutzt für die Gestaltung von Texten, wenn ihr kein Inline-CSS haben wollt – also CSS auf der Seite –, einfach Klassen wie z. B.

<p class="h1">Text im Header</p>
<h1>Überschrift</h1>

Mit dieser Methode – vorausgesetzt ist natürlich die korrekte Hinterlegung in eurer CSS-Datei – erreicht ihr, dass der Text im Header zwar aussieht wie eine H1-Überschrift, aber strukturell keine ist. Dies sollte natürlich auch sinnvoll eingesetzt werden. Ich halte es nicht für sinnvoll, wenn Texte über der eigentlich H1 aussehen wie eine H1. Das verwirrt die Nutzer unter Umständen.

Achtet nach eurer ersten H1 darauf, dass ihr keine weiteren H1-Überschriften verwendet. Google hat zwar bestätigt, dass es mit HTML5 kein Problem mehr darstellt, mehrere dieser Überschriften zu haben, dennoch halte ich es strukturell für falsch. Warum? Eure Doktorarbeit hat auch keine zwei Titel. Arbeitet unterhalb eures Titels (H1) mit Unterüberschriften (H2, H3 etc.). Dabei ist zu berücksichtigen, dass die H-Überschriften keine Ebenen überspringen. Nach einer H2 folgt niemals eine H4, nach einer H1 folgt niemals eine H3 usw. Eine gute Struktur sieht folgendermaßen aus:

Korrekte Hierarchie SEO-Überschriften

Korrekte Hierarchie beim Artikel KPIs im Online Marketing (Screenshot: Seorch).

Wenn ein Kapitel bzw. eine Unterüberschrift abgeschlossen ist, darf natürlich – wie bei der Doktorarbeit – wieder eine höhere Überschrift kommen. Also nach einer H4 darf wieder eine H2 kommen. Wichtig ist nur, dass es von oben nach unten stimmt. Es gibt diverse Tools, die die Hierarchie von SEO-Überschriften gut analysieren und plakativ darstellen.

Auswirkungen von SEO-Überschriften für das Ranking

SEO-Überschriften sind einer von über 300 Rankingfaktoren bei Google. Also einer von vielen. Es gibt unzählige Websites, die super Rankings erzielen, obwohl ihre Überschriften nicht stimmen. Was allerdings alle gemeinsam haben: Sie haben H-Überschriften! Also man kommt nicht drumherum, H-Überschriften zu verwenden. Bevor man allerdings mehrere hundert Euro investiert, damit ein Programmierer die Hierarchie der SEO-Überschriften anpasst, sollte man abwägen, ob man das wirklich braucht. Meiner Meinung nach eher nicht.

Best-Practice-Vorschlag H-Überschriften

  • Auf jeden Fall H-Überschriften nutzen
  • Hierarchie der H-Überschriften anpassen, wenn das relativ einfach möglich ist
  • Hierarchie der H-Überschriften belassen, wenn es (sehr) teuer wird

H-Überschriften in CMS und Shop-Systemen

In vielen CM-Systemen – CMS-Systeme hieße Content Management System Systeme 😉 – und auch fertigen Onlineshop-Lösungen sind die H-Überschriften korrekt angelegt. WordPress zählt unter anderem dazu. Allerdings wird es kritisch bei Themes von Dritten. Hier habe ich schon sehr häufig erlebt, dass selbst „SEO-ready“ Themes – „SEO-ready“ von Entwicklern ist übrigens in 99,8 Prozent der Fälle nicht zutreffend – die Hierarchie der SEO-Überschriften fehlerhaft war.

Fazit

H-Überschriften sind nicht unwichtig und sollten auf jeden Fall verwendet werden. Viele CM- und Shop-Systeme bieten in ihren Core-Versionen bereits perfekte Hierarchien an. Innerhalb des Contents seid ihr aber für die korrekte Hierarchie verantwortlich. Bietet dem Crawler und euren Nutzern eine saubere Struktur an, dann fühlen sich alle wohler – ihr übrigens auch 😉

Titelbild: Holger Link

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